Dass diese Vorstellung Fragen auslöst, zeigt sich in der Diskussion gleich danach. Wie lässt sich ein fröhlicher Gottesdienst feiern, ohne auszublenden, was draußen geschieht?
Cordemann greift dafür noch einmal auf sein Bild vom Wetter und vom Klima zurück. Das gesellschaftliche Klima kann durchwachsen sein, während das „Wetter“ eines konkreten Gottesdienstes durchaus heiter ausfällt. Tatsächlich, sagt er, erlebe er Gottesdienste auch in bedrückenden Zeiten meist als fröhlich. Für ihn hat das einen Grund: Im Gottesdienst werde spürbar, „dass wir auf einem anderen Grund stehen und eine andere Botschaft haben“. Ernst dürfe es dabei durchaus zugehen. Aber eine getragene Zuversicht, sagt Cordemann, sei für ihn ein Kompass bei der ganz konkreten Gottesdienstvorbereitung.
Aus der Runde kommt zugleich die Sorge, Gottesdienste könnten zu stark von Tagespolitik bestimmt werden. Andere greifen gerade Cordemanns Gedanken der Unterbrechung auf: Menschen kämen erschöpft in die Kirche und bräuchten auch Ruhe von der Vielschichtigkeit der Welt.
Kirche solle nicht parteipolitisch sein, sagt der evangelische Theologe, „aber ich glaube, dass das Evangelium immer politisch ist“. Menschenwürde, Nächstenliebe, Feindesliebe – davon könne Kirche nicht zurücktreten. Die Gegenwart sei nicht die erste Zeit, in der Kirche sich verändern müsse. Sie habe sich durch viele Jahrhunderte hindurch immer wieder neu auf ihre Gegenwart eingestellt. Kirchengeschichte sei, sagt Cordemann, ein „permanentes Atmen der Kirche“. Die Zeiten ändern sich – und Kirche verändert sich mit ihnen.