In einem Gottesdienst in der Harsumer St.-Andreaskirche ordiniert Regionalbischof i.R. Dr. Hans Christian Brandy am Sonntag Florian Giesel zum Pastor: „Mit Florian Giesel gewinnt die Kirche einen Pastor, der sich mit großem Engagement intensiv auf seine Aufgabe vorbereitet hat, der Theologie und Gemeindeleben eng zusammendenkt und Menschen auf Augenhöhe begegnet.“
Mit der Ordination übernimmt der 34-Jährige seine erste Pfarrstelle in Harsum und Bavenstedt. „Jetzt hier anzufangen, fühlt sich genau richtig an.“ Der Gottesdienst beginnt um 14 Uhr.
Der neue Pastor in Harsum
Wer Florian Giesel begegnet, merkt schnell: Hier kommt kein Pastor mit fertigem Rollenbild. Zwar ist er im Pfarrhaus aufgewachsen – die Eltern sind Pastorin und Pastor –, doch der Weg ins eigene Amt war für ihn kein Automatismus. Nach dem Abitur studierte er zunächst Theologie in Hamburg, hörte nebenbei viel Geschichte, suchte, probierte. Später wechselte er nach Hannover ins Lehramtsstudium. Pastor werden schien zunächst also nicht das Ziel.
Der Weg ins Pfarramt
Entschieden hat er sich schließlich nicht im Seminarraum, sondern am Altar. In einer Lektorenausbildung bei der Evangelischen Studierendengemeinde in Hannover lernte Giesel, sich Lesepredigten anzueignen, Gottesdienste eigenverantwortlich zu feiern. Und merkte: Das trägt. Die Liturgie, die Predigt, das Zusammensein mit Menschen – all das setzte etwas in Bewegung. „Da habe ich gemerkt: Das ist nicht nur Interesse. Da brennt wirklich etwas in mir.“ Rückmeldungen aus den Kursen, erste eigene Gottesdienste in Gemeinden des Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt, vor allem in der Markusgemeinde, verstärkten diesen Entschluss. Die Praxis half ihm auch durch die trockenen Phasen des Studiums. „Ich wusste immer, wofür ich das mache“, sagt er. „Damit ich Gottesdienste feiern kann.“
Theologie mit Praxisbezug
Giesel studierte in Göttingen und Leipzig, legte dort auch sein Examen ab und setzte einen Schwerpunkt in der Praktischen Theologie. Der Bezug zum Alltag, zu echten Fragen und konkreten Lebenssituationen, war ihm immer wichtiger als Theorie um ihrer selbst willen. Leipzig und Ostdeutschland erlebte er als prägend, zugleich war für ihn klar, nach Niedersachsen zurückzukehren – auch aus familiären Gründen.
Neue Impulse für die Gemeinde
In Harsum will Giesel nun genau diesen lebensnahen Zugang weitergehen. Besonders wichtig sind ihm Kinder- und Jugendarbeit sowie eine Gottesdienstlandschaft, die mehr ist als der klassische Sonntagmorgen. „Ich bin mit dem 10-Uhr-Gottesdienst aufgewachsen und mag ihn“, sagt er. „Aber er kann einer von vielen sein.“ Freitagabend, andere Formen, gesungene Liturgie, andere Musik – entscheidend sei, Formate gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu entwickeln. Giesel verstehe sich nicht als One-Man-Show; erster Ansprechpartner für Entscheidungen sei der Kirchenvorstand, aber natürlich ebenso die Gemeinde vor Ort.
Musik, Fußball und Ankommen in Harsum
Dass Gemeinde für ihn auch außerhalb der Kirche stattfindet, zeigt sich schnell. Giesel geht ins Stadion, spielt Fußball, hört Musik. Er ist Fan der Toten Hosen, spielt selbst mehrere Instrumente, vor allem Schlagzeug und Bass. Und er hat einen konkreten Plan: In Harsum möchte er eine Band gründen. Nicht als Beiwerk, sondern als Teil von Gemeindeleben. Musik, sagt er, bringe Menschen zusammen – unabhängig von Alter oder Frömmigkeit.
Auch sportlich sucht der 34-Jährige Anschluss. Giesel spielt selbst Fußball, am liebsten im Mittelfeld, und kann sich vorstellen, in einer Alten-Herren-Mannschaft mitzuspielen. Sportliche Rivalitäten gehören für ihn dazu, Hass nicht. „Wer im Stadion anderen Tod wünscht, hat etwas Grundlegendes nicht verstanden“, sagt er.
Mit seiner Frau und den beiden kleinen Töchtern ist Giesel vor Kurzem nach Harsum gezogen. Nach mehr als zehn Jahren Ausbildung fühlt sich der Start ins Pfarramt für ihn stimmig an. „Ich habe lange auf diesen Moment hingearbeitet“, sagt er. Jetzt gehe es darum, anzukommen – mitten im Leben der Gemeinde.
Sprengel Hildesheim-Göttingen/ gmu