Pastorin Siggelkow-Berner für Hochschule und Schule eingeführt

Nachricht Göttingen, 08. Mai 2026

In einem musikalischen Gottesdienst in der Göttinger Universitätskirche St. Nikolai ist Dr. Birke Siggelkow-Berner am Sonntagabend in ihr Amt eingeführt worden. Sie übernimmt die Aufgaben als Hochschulpastorin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) sowie als Beauftragte für Kirche und Schule im südlichen Bereich des Sprengels Hildesheim-Göttingen. Die Einführung nahmen Regionalbischof i.R. Dr. Hans Christian Brandy und Oberkirchenrätin Dr. Michaela Veit-Engelmann vor.

Predigt mit Perspektivwechsel

„Ein besonderer Gottesdienst ist das heute“, sagte Siggelkow-Berner in ihrer Predigt. Und sie ließ keinen Zweifel daran, dass dieses „Besondere“ nicht im Perfekten liegt, sondern im Offenen, im Unfertigen. Der biblische Text von der Tempelweihe Salomos diente ihr als Folie – ein Idealbild von Ordnung und Vollkommenheit. Doch genau dieses Ideal stellte sie infrage. Wenn alles perfekt sei, so die zugespitzte Pointe, dann würden die, die Kirche gestalten, überflüssig. „Ganz ehrlich: Dann bin ich gerne einmal überflüssig“ – nicht, weil ihr Dienst entbehrlich wäre, sondern weil sich seine Rolle verändert: hin zu einem Ermöglichen, das andere stark macht.

Es war ein Gedanke, der in diesem Raum hängen blieb, der an diesem Abend vieles vereinte: Einführung und Aufbruch, Erwartung und Erfahrung. Siggelkow-Berner beschrieb eine Kirche, die sich nicht über ihre Funktionsträger definiert, sondern über das, was sie ermöglicht. Räume, in denen Studierende eigene Ideen entwickeln. Gespräche, nach denen Menschen „ihre eigene Kraft wiederfinden“. Kirche als Ort, der trägt, ohne festzuhalten.

Vielfalt statt Einstimmigkeit

Auch musikalisch griff sie das Bild aus der Chronik auf: viele Stimmen, die zu einer werden. Doch statt Einstimmigkeit zu verklären, stellte sie die Frage nach Vielfalt. „Ist es nicht vielmehr wichtig, dass viele unterschiedliche Stimmen hörbar sind?“ Unterschiedliche Lebensentwürfe, Glaubensformen, Identitäten – sie gehören für sie selbstverständlich dazu. Die wenigen Worte des biblischen Liedes – „Denn er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“ – genügten, um Gemeinschaft zu stiften. Vielleicht, so ihre leise Hoffnung, gelinge das auch heute wieder.

Würdigung und Einführung ins Amt

Die Einführung selbst übernahmen Oberkirchenrätin Dr. Michaela Veit-Engelmann und Regionalbischof i.R. Dr. Hans Christian Brandy. Veit-Engelmann würdigte Siggelkow-Berners Weg und zeichnete das Bild einer Theologin, die Erfahrungen aus Schule, Gemeinde und Wissenschaft verbindet. Kirche, sagte sie, sei kein neutraler Raum. Sie lebe von Haltung, von Werten, die Menschen prägen. Gerade im Umfeld von Schule und Hochschule werde das sichtbar.

Siggelkow-Berner habe in den ersten Monaten in Göttingen vor allem zugehört, beobachtet, Gespräche geführt. Sie wolle „keine One-Woman-Show sein, sondern Teil eines Teams“, eine Stimme unter vielen. Eine, die Räume öffnet, in denen andere ihre Stimme finden können. „Du gibst Menschen Raum“, sagte Veit-Engelmann – und formulierte damit, was an diesem Abend mehrfach anklang.

Erfahrung und neue Aufgaben

Mit der Verlesung der Ernennungsurkunde wurde der formale Teil vollzogen: Seit Februar ist die 49-Jährige Pastorin der Landeskirche für die Arbeit in der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) sowie Beauftragte für Kirche und Schule im südlichen Bereich des Sprengels Hildesheim-Göttingen. Für Siggelkow-Berner ist es auch eine Rückkehr – nach Studien- und Promotionsjahren in Göttingen, nach Stationen in Schule und Gemeinde.

Dass sich in dieser neuen Aufgabe viele Linien ihres bisherigen Weges kreuzen, wurde an diesem Abend deutlich. In der ESG soll ein Raum entstehen, der bewusst anders ist als der von Leistungsdruck geprägte Studienalltag – offen für Begegnung, Beratung und gemeinsames Leben. Auch die Verbindung von Schule und Kirche gehört dazu: Impulse sollen in beide Richtungen fließen.

Ein Abend, der weiterwirkt

Nach dem Gottesdienst blieb die Kirche noch lange belebt. Menschen standen beieinander, kamen ins Gespräch, lernten sich kennen. Es war ein erstes Ankommen im neuen Arbeitsfeld – und ein Eindruck davon, wie die offenen Räume aussehen können, von denen an diesem Abend so oft die Rede war.

Sprengel Hildesheim-Göttingen/ gmu