Vor ihrem 60. Geburtstag beschloss Leu, nicht zu feiern, sondern loszugehen. Sie begann am Darß an der Ostsee und wanderte bis nach Straßburg. Landschaften und Begegnungen wechselten, wichtig wurde das Gleichmaß des Gehens. „Das hatte auch etwas von Meditation“, sagt sie. „Im Gehen begegnet uns doch ganz viel.“ Ihre Pilgerfiguren verdichten das Erlebte zu Haltungen: gebeugter Rücken, ausgestrecktes Bein, Hand am Stab.
An der Wand hängt die Zeichnung einer Jakobsmuschel. Sie erzählt von einer anderen Wanderung: Eigentlich wollte Leu vor einigen Jahren den Jakobsweg gehen, entschied sich dann aber für den portugiesischen Fischerweg. Gleich zu Beginn fand sie eine Muschel. „Damit begann dann doch offensichtlich mein Jakobsweg“, erzählt sie.
Zunächst hing die Muschel an ihrem Rucksack. Später befestigte Leu sie am Wanderstab. Von da an war sie als Pilgerin zu erkennen. Sie wurde anders angesprochen – und hörte selbst anders zu. Fremde öffneten sich, boten Schlafplätze an. Gemeinschaft entstand, wo sie kaum damit gerechnet hatte.
Kunst, Licht und Schatten im Kloster Amelungsborn
Nun ist Leu Gast an einem Ort, an dem Pilger, Radfahrer und Touristen ankommen und weiterziehen. „Künstler sind zu Gast in Kirchen“, sagt sie. „Und Gäste sind zu Gast beim Künstler.“ Die Klosterkirche ist mehr als historische Kulisse. Leus Figuren geraten in Beziehung zum Licht und zu den Sichtachsen. Ein Weg aus Stahl liegt als Acht auf dem Boden. Seine Linien kreuzen sich, kehren zurück. Je nach Lichteinfall entstehen Wege aus Schatten.