Hannovers Landesbischof Ralf Meister hat den Theologen Dr. Claas Cordemann als Regionalbischof für den Sprengel Hildesheim-Göttingen in sein Amt eingeführt. Bei dem Festgottesdienst am Sonntag in der voll besetzten Hildesheimer Michaeliskirche rief der 54-Jährige angesichts von Kriegen, gesellschaftlicher Polarisierung und wachsender Erschöpfung zu mehr Menschlichkeit, Hoffnung und geistlicher Aufmerksamkeit auf. „Ich glaube, die Welt braucht uns als Menschen des Friedens – solche, die ein hörendes Herz haben“, sagte Cordemann in seiner Predigt. Menschen müssten tiefer sehen als das, „was vor Augen ist“, und aus der Liebe Gottes leben.
„Krise legt sich über Krise“
Der neue Regionalbischof spannte in seiner Predigt einen Bogen von den gegenwärtigen „Stapelkrisen“ bis zu Grundfragen des Glaubens. Zu Beginn erinnerte er an Schlagzeilen über Kriege, Extremwetter, soziale Spannungen und politische Gewalt. „Krise legt sich über Krise. Hiobsbotschaft über Hiobsbotschaft“, sagte Cordemann. Viele Menschen seien erschöpft und verunsichert. „Da kommt man gar nicht mehr hinterher. Gedanklich nicht. Emotional nicht.“
Dagegen setzte der promovierte Theologe die Bedeutung von Gebet, Stille und Zuhören. „Beten ist Hören. Nicht der nächste Post. Nicht das nächste Reel. Nicht auf der Empörungswelle mitschwimmen“, sagte Cordemann. Sein Eindruck sei, dass die Gesellschaft „das genaue Zuhören verlernt“ habe. Gebet sei „eine Schule der Stille und eine Schule des Hörens“.