Mit Liedern, Lego und Mutgeschichten: Praxistag für Kindergottesdienst

Nachricht Göttingen-Geismar, 16. März 2026

„Nur Mut!“ – unter diesem Motto haben sich am Samstag rund 40 Ehren- und Hauptamtliche aus der Kindergottesdienst-Arbeit zum Praxistag des Sprengels Hildesheim-Göttingen in Göttingen-Geismar getroffen. In Workshops, Gesprächen und einem Gottesdienst ging es darum, wie Kinder heute mit Geschichten, Musik und Kreativität für Kirche begeistert werden können. Das Angebot reichte vom clownesken Rollenspiel über kreative Zugänge zu biblischen Mutgeschichten bis zu erlebnispädagogischen Übungen.

Mit Musik Mut machen: Kinderlieder zum Mitmachen

„Ich bin stark, ich hab Mut, ich bin einzigartig gut“ – klatschend, singend und mit ausgebreiteten Armen bewegen sich die Teilnehmenden durch die Martinskirche. Im Workshop zu Kinderliedern geht es nicht nur ums Singen, sondern ums Mitmachen. Sängerin Gosia Borrée und Popkantor Rüdiger Brunkhorst zeigen, wie Musik Kinder aktiviert: „Beim Singen lernen sie Bewegung und Text gleichzeitig.“ So prägten sich Melodien und Botschaften ein: „Komm, du schaffst das!“ Boirée staunt selbst: „Wir haben alle unsere Stärken – das brauchen auch Erwachsene.“

Lego als Brücke: Bibelgeschichten kreativ begreifen

Im Pfarrhaus nebenan klappern währenddessen schon die ersten Lego-Steine. Während José Calvo Tello das Projekt vorstellt, greifen einige Teilnehmende neugierig in die nach Farben sortierten Kisten. „Lego ist generationenübergreifend und sehr flexibel“, sagt Calvo Tello. Manche Steine seien fast 50 Jahre alt. Vor drei Jahren habe die Gemeinde mit dem Projekt begonnen, zunächst mit ein paar gespendeten Steinen.

Im Kindergottesdienst hören die Kinder zuerst eine biblische Geschichte – manchmal mit Bildern auf dem Beamer. Anschließend bauen sie Szenen daraus mit Lego nach. Am Ende stellen sie ihre Werke vor, wenn sie möchten. „Ohne Bewertung“, betont Calvo Tello. „Es geht darum, was sie entdeckt haben.“ Dabei entstehen oft überraschende Ideen: „Dann kommen die Heiligen Drei Könige eben mit Traktor oder Surfbrett.“ Besonders bemerkenswert sei, wie konzentriert viele Kinder arbeiten. „Auch neurodivergente Kinder vertiefen sich oft sehr stark in das Bauen.“ Die Ergebnisse werden später im Schaukasten der Gemeinde oder auf Instagram gezeigt. „So sehen die Kinder: Ihr seid Teil davon – ihr habt das gemacht.“

Kirche dort, wo Kinder sind: Pastorin Dallmeier über Schutzräume und Offenheit

Die Referentin für Kindergottesdienst im Michaeliskloster Hildesheim, Pastorin Hanna Dallmeier, sieht darin einen wichtigen Schlüssel für kirchliche Arbeit mit Kindern. Kirche müsse sich dorthin bewegen, wo Kinder leben: „in den Sozialraum, in Schulen, in Kindergärten“. Gleichzeitig gehe es darum, die Gemeinden mitzunehmen und Generationen zu verbinden.

Kinder seien eine „Minderheit ohne Schutz“, sagt Dallmeier. Deshalb brauche es Räume, in denen sie ernst genommen werden. „Kinder selbst sind oft offen und ohne Berührungsängste.“ Geschichten, Musik oder kreative Methoden könnten helfen, diese Offenheit aufzunehmen. Dabei gehe es nicht nur um Inhalte, sondern auch um den Zugang zu Menschen: „Wir müssen uns öffnen und dahin gehen, wo die Menschen sind.“

Mut als Haltung: Regionalbischof Brandy über Vertrauen und Ermutigung

Sie säen Samen, von denen wir gar nicht wissen, welche Früchte sie einmal tragen.

Regionalbischof i.R. Dr. Hans Christian Brandy

Auch im abschließenden Gottesdienst griff Regionalbischof i.R. Hans Christian Brandy das Motto des Praxistages auf. Gerade in Krisenzeiten brauche es Menschen, die Mut weitergeben. „Viel besser als Wut ist Mut“, sagte er. „Viel besser als Wutbürger sind Mutbürger.“

Die Bibel sei voller Ermutigungsgeschichten – von der Zusage Gottes an Josua „Sei mutig und stark“ bis zum Aufruf des Paulus: „Seid wachsam, haltet am Glauben fest, seid mutig und stark.“ Mut bedeute dabei nicht blindes Draufgängertum, betonte Brandy. „Mut braucht Herz und Verstand.“ Manchmal gehöre auch dazu, Grenzen zu erkennen oder einen Schritt zurückzutreten. Entscheidend sei, dass Mut aus Vertrauen wachse: „Du bist nicht allein. Gott ist mit dir.“ Wer selbst mutig bleibe, ermutige damit auch andere.

Samen säen: Wie Kindergottesdienst Glauben prägt

In der Arbeit mit Kindern werde diese Ermutigung besonders sichtbar, sagte Brandy den Teilnehmenden. Viele Geschichten von Glauben begännen im Kindergottesdienst. Er erinnerte an eine Pastorin, die berichtet habe, wie sie schon als Elfjährige gefragt worden sei, ob sie im Kindergottesdienst mithelfen wolle. „Man hat mir etwas zugetraut“, habe sie erzählt.

Solche Erfahrungen könnten prägen, sagte Brandy. „Sie säen Samen, von denen wir gar nicht wissen, welche Früchte sie einmal tragen.“ Dafür dankte er den Mitarbeitenden: Sie gäben die Botschaft des Glaubens weiter – „mit großer Treue, mit viel Liebe und mit großer Kreativität“.

Sprengel Hildesheim-Göttingen/ gmu