Was trägt einen Menschen, wenn die eigene Kraft nicht mehr reicht? Für Sohn steht über ihrem neuen Amt ein Satz aus einem Brief des Apostels Paulus im Neuen Testament: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
Cordemann setzte diesen Satz bewusst in Gegensatz zu Erwartungen, die viele Menschen aus ihrem Alltag kennen. „Der Zeitgeist sagt ja eher Dinge wie: Du musst stark sein. Du musst dich durchsetzen. Du musst funktionieren.“ Dazu komme der Druck, Schwächen zu überwinden und sich ständig zu verbessern. Paulus formuliere einen Gegenentwurf, sagte der Regionalbischof. Schwäche müsse nicht verborgen oder wegoptimiert werden. „Vielleicht ist meine Schwäche genau der Ort, an dem Gottes Kraft überhaupt erst sichtbar werden kann.“
Das sei keine abstrakte theologische Überlegung, sondern berühre Sohns eigenen Lebensweg, machte Cordemann deutlich. „So geht es nicht mehr“ – und gleichzeitig: „Was mache ich denn jetzt?“ In dieser Phase der Orientierungslosigkeit fand Sohn Halt im Gebet. Sie habe Sorgen aus der Hand gegeben und darauf gehofft, dass sich eine neue Möglichkeit auftue. Aus einer Sackgasse habe sich „wie aus dem Nichts“ ein Weg geöffnet, so Cordemann. „Als Sie sich kraftlos fühlten, wuchs Ihnen eine Kraft zu, die irgendwie nicht mehr Ihre eigene war.“ Sohn selbst spreche dabei von „Heiliger Geistkraft“. Dass ihre Ordination nun ausgerechnet in der Marktkirche zum Heiligen Geist stattfinde, nannte der Regionalbischof deshalb „ein echtes Geschenk“.