Regionalbischof Dr. Claas Cordemann ordiniert am Samstag, 5. September, Julia Sohn in der Marktkirche zum Heiligen Geist in Clausthal-Zellerfeld zur Pastorin. „Julia Sohn bringt viel Lebenserfahrung und geistliche Tiefe mit. Sie hört Menschen zu und begegnet ihnen offen und zugewandt“, so Cordemann. Für die studierte Sozialwissenschaftlerin, die nach vielen Jahren in der Göttinger Kommunalverwaltung den Quereinstieg in den Pfarrberuf gewählt hat, beginnt damit ein neuer Abschnitt. Der Gottesdienst beginnt um 16 Uhr.
Erste Pfarrstelle im Oberharz
Sohn absolvierte ihre Ausbildung zur Pfarrverwalterin in Göttingen. Mit der Ordination beginnt für sie nun ihre erste eigene Pfarrstelle. Sie freue sich auf „ein fantastisches Team, von dem ich viel lernen kann“. Die Arbeit sei „kreativ und in vielen Bereichen zukunftsweisend. Das begeistert mich“. Als mögliche Schwerpunkte nennt die 46-Jährige Familienarbeit und spirituelle Entwicklung.
Der Weg in den Pfarrberuf hat eine lange Vorgeschichte. Aufgewachsen als Katholikin, spricht Julia Sohn augenzwinkernd von einer „blockierten Berufung“. Schon als Kind habe sie tiefe spirituelle Momente erlebt. Eine kirchliche Berufsperspektive schien damals jedoch nur als Ordensfrau denkbar. „Der Wunsch nach einer eigenen Familie war dann aber stärker“, sagt die vierfache Mutter.
Glaube, Familie und Selbstironie
Kirche blieb dennoch ein fester Teil ihres Lebens. Julia Sohn ließ sich zur Lektorin ausbilden, organisierte Taizé-Andachten in der Apostel-Gemeinde in Gleichen und spielte Keyboard in Gottesdiensten. Für den Pfarrberuf bringt sie nicht nur Erfahrung im Sprechen, Schreiben und Organisieren mit. Prägend sei auch, was sie als Mutter gelernt hat: „Zuhören, Verzeihen, Fehler eingestehen. Da hängt vieles von mir ab, doch es dreht sich längst nicht alles um mich.“ Und sie fügt selbstironisch hinzu: „Eine Demutsübung, die zwar nicht zum Pfarrberuf qualifiziert, aber auch nicht schadet.“
Besonders begleite Sohn das Vaterunser, das ihre Großmutter ihr als Kind am Bett beibrachte. Heute beeindrucke sie, wie das Gebet „zeitlose, existentielle Themen“ aufgreife. Bei einem traditionellen Gottesbild bleibt sie dabei nicht stehen: „Gott ist für mich ebenso eine Mutter wie ein Vater.“
Ordination als besonderer Moment
Die Ordination in der Marktkirche bedeute Sohn viel. Diese sei – nach der Geburt ihrer Kinder – „wohl das für mich bedeutsamste Ereignis meines Lebens“. Dass die Kirche dem Heiligen Geist gewidmet ist, gebe diesem Moment für sie eine besondere Bedeutung: „Die Heilige-Geist-Kraft empfinde ich schon immer als direkten Kanal, als persönliche Brücke zu Gott und zur Schöpfung.“
Diese spirituelle Verbundenheit zeigt sich auch im Alltag – nicht zuletzt auf Instagram: Ihr Profil heißt dort „Himmel.offen“. Wenn neben Vollzeitjob und vier Kindern Zeit bleibe, liest Julia Sohn, schwimmt, hört Sinfonien und „alles von Bach“, besucht Museen oder beobachtet Bäume, Himmel und Insekten. Und bei aller Kontemplation bleibt ein wenig Ehrgeiz: „Beim Doppelkopf gerne auch mal gewinnen!“
Sprengel Hildesheim-Göttingen/ gmu


